Samstag, 23. August 2014

(Rezension) Hat Höhen aber auch sehr große Tiefen!

Rezension zu "Falling into you- für immer wir" von Jasinda Wilder

Falling into you- Für immer wir von Jasinda Wilder

Originaltitel: Falling into you
Erschienen: 06/2014 bei Mira Taschenbuch
Genre: Romantik, Drama, New Adult
Seiten: 320 Seiten
ISBN 978-3-95649-034-7
Preis: 9,99€ Broschiert

Meine Bewertung:  3 Federn
Einen geliebten Menschen zu verlieren tut weh, es zerreisst dich, zieht dich mit in einen Strudel voller Traurigkeit, Verzweiflung und Verlust des Lebensmutes. Fühlt man sich dann auch noch für den Tod verantwortlich kommen Selbsthass und Schuldgefühle hinzu mit denen man nur schwer fertig wird. Ein Ventil für die angestauten Emotionen zu finden ist nicht leicht, besonders wenn man den Weg des Verschließends und Abschottens wählt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Nell abstumpft und Wege der Bewältigung sucht. Doch sie ist nicht allein in ihrem Schmerz. Sie muss es nur zulassen aufgefangen zu werden. Doch ist ihr das möglich? Und das gerade vom Bruder ihrer toten ersten Liebe?

Zum Inhalt:
"Ich verliebe mich nicht nur in dich, Nell, ich falle kopfüber in dich hinein. Du bist ein Meer, und ich ertrinke in den Tiefen deiner Seele.“
Ich war nicht immer in Colton Calloway verliebt. Erst liebte ich seinen jüngeren Bruder. Kyle war auf alle erdenklichen Arten meine erste wahre Liebe. Dann, an einem stürmischen Augustabend, starb er durch meine Schuld, und der Mensch, der ich war, starb mit ihm.
Colton nimmt mir nicht meinen Schmerz. Er lehrt mich, verletzt zu sein, verzweifelt zu sein. Doch kann er mich auch lehren, mir selbst zu vergeben?(Quelle: Mira Taschenbuch)

Meine Meinung:
Es versprach eine tiefgehende und emotionale Geschichte rund um Nell und Colton zu werden, doch leider wurde es zu einer Gradwanderung zwischen romantischer Poesie und plumpen, oberflächlischen, kitschigen Klischee. Die Mischung klingt vielleicht ersteinmal nicht schlecht, wäre auch aushaltbar, wenn die Aufteilung gerecht wäre, aber die Autorin schien sich nicht ganz entscheiden zu können und somit waren gerade die plumpen, oberflächlichen Momente sehr aufdringlich.
Es ging für mich schon sehr anstrengend los. Die Autorin beginnt mit einem Blick in die Vergangenheit und lässt uns an der Entstehung der Beziehung von Kyle und Nell teilhaben. Die Beiden waren zusammen aufgewachsen und von Kindesbeinen an die besten Freunde. Eigentlich ist es nicht verwunderlich, dass sie in der hormongesteuerten Teenagerphase die Liebe zueinander entdecken und zack innerhalb eines Wimpernschlags zusammen sind. Die Darstellung der Beiden grenzte für mich schon halb an das Absurde, da z.B. Nell noch nicht einmal das Wort "Pille" aussprechen kann, ohne vor Scham im Boden zu versinken. Sie werden prüde, bieder und verklemmt dargestellt und trotzdem drehen sich die ersten Kapitel nur um "das erste Mal". Sie sind die absoluten amerikanischen Traumkinder, gut aussehend, gesittet, intelligent, tuen alles was ihre Eltern sagen...Charakterlich wird keiner der Beiden näher betrachtet, so dass der Blick in Nells Vergangenheit uns rein gar nichts über sie verrät und ich somit auch nicht wirklich emotional dabei war als Kyle stirbt.

Kyles Tot reißt Nell in eine tiefe Krise und sie lässt die Trauer nicht zu, zumal sie sich an den Geschehnissen die Schuld gibt. Was das bedeuten kann, stellt die Autorin in sehr traurigen und emotionalen Worten dar. Die aufgestauten Emotionen treiben Nell in die Selbstverletzung und lassen sie dem Alkohol näher kommen. Doch trotz der gefühlsdichten Beschreibungen Nells, wurde sie mir nicht zugänglich. Vielleicht kommt das daher, weil sie so ganz anders agierte als ich es würde. Ich konnte mich nicht in sie hinein finden. 

Erst der Blickwinkel von Colton schaffte es mich zu fesseln. Die Autorin wechselt für ein paar Kapitel in seine Rolle und das fand ich wirklich gut. Colton ist ein interessanter, recht vielschichtiger Charakter. Er ist keineswegs so perfekt wie es sein Bruder war, was ihn um einiges sympathischer machte. Seine Vergangenheit ist hart und geprägt von Verlusten. Er hat es gelernt mit dem Schmerz umzugehen und ist somit die beste Therapie für Nell. 

Die Beziehung, oder sagen wir mal die körperliche Anziehung entsteht sehr schnell. Auch wenn die Autorin einen großen Zeitsprung wagt, bleibt es trotzdem eine Entwicklung von rasantem Tempo. Sie wird recht glaubhaft dargestellt, obwohl es mir etwas zu schnell ging. Schön war die musikalische Untermalung des Ganzen. Manches mal kommt es zu Dialogen zwischen Nell und Colton nur über die Musik. Das fand ich sehr schön und überaus Stimmungsvoll.
Was mich wahrlich störte war dieses, entschuldigt bitte meine Worte, Geschisse um Nells Seelenzustand. Colton tut einfach alles was er kann um sie aus ihrem selbstgewähltem Loch zu ziehen, obwohl er selbst mindestens das Doppelte oder Dreifache auf seinen Schultern trägt. Doch darum kümmert sich Nell nicht. Dieser Egoismus war mir ein echter Dorn im Auge.
Dazu kommen die Sexszenen, die auf ihre Art schon erotisch dargestellt waren, mir in ihrer Wortwahl und ihrer Härte aber nicht zu den Personen passen wollten. Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde Worte wie: Klit (ich kann das Wort so nicht ausstehen, es heißt entweder Klitoris oder Kitzler,...), rammen oder Schwanz für so ein trauriges Buch nicht richtig. Und dazu kam mein gerade überwundenes Ana Steel-Trauma wieder hoch, da anscheinend seid Shades of Grey jeder zweite Mann auf Lippenkauen steht und gerne Popohaue verteilt. 

Und, ich hoffe ich spoilere jetzt nicht, das Ende hat das ganze Buch noch einmal abrutschen lassen. Hier bedient Wilder so viele Klischees, das es weh tat und mich das Buch mit viel Frust zuschlagen ließ. So ganz kann ich mir eine Fortsetzung nicht vorstellen, denn ich weiß nicht um was es da gehen soll. Ich werde mir einen zweiten Teil wohl nicht antun, dafür war es mir zu anstrengend.

Fazit: Höhen und Tiefen wechseln sich ab. Durch die schlechte Charakterbeschreibung fällt das Hineinversetzen schwer, die Hauptprotagonistin wurde mir nicht sympathisch, die Sexszenen sind in ihrer Wortwahl nicht mein Fall und das Ende war absolut schlecht gewählt. Dafür bekommt man besonders im Mittelteil durch Colton eine schon fast poetische Sicht auf die Trauer, sehr gelungen und schön ausgearbeitet auch die musikalische Ader des Buches!
 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen